Mobile Recruiting – Interview mit Carsten Buchberger von talentsinsight

Talents Insight und die grüne 3
Carsten Buchberger
Carsten Buchberger – talentsinsight

Dass in Mobile Recruiting großes Potenzial steckt, hat der Olli letzte Woche mit seiner Sicht auf die Dinge bewiesen. Unserem Versprechen ein interessantes Interview mit Carsten Buchberger von talentsinsight zu führen, kommen wir nun nach.
Wir haben Carsten und das Start-Up talentsinsight vor knapp 1 1/2 Jahren bei einer Präsentation zu erstem mal erlebt. Das Projekt war damals schon sehr ehrgeizig, hatte aber sehr viele interessante Ansätze zum Thema Mobile Recruiting. Dabei ging es vor allem um die von Olli beschriebenen Zusatznutzen die „mobile“ bieten kann: GPS Positionsbestimmung, Push-Benachrichtigung und Zugriffe auf Social Networks.
Nach der Roadshow von Carsten hatten wir schon unglaubliche viele Ideen und Ansätze, vom Einsatz auf Messen bis hin zu Guerilla Attacken ;-).

Wie weit Carsten und sein Team sind, wie seine Sicht auf Mobile Recruiting ist und was talent insight so besonders macht lest ihr hier:

Carsten, wir haben dich und talentsinsight vor 1,5 Jahren kennengelernt, was hat sich in den vergangenen Jahren bei euch getan?
Unsere Entwicklung zu talentsinsight (ti) haben wir im Februar 2012 einem kleinen Kreis von Unternehmensvertretern aus dem Raum München im Rahmen einer Roadshow präsentiert. Ziel war es, zu einem frühen Zeitpunkt Feedback aus Kundenperspektive zu erhalten und gewünschte Features für Kunden in die Entwicklung aufzunehmen. Seitdem haben wir unsere Lösung mit dem erhaltenen Input weiterentwickelt, UX und UI optimiert und insbesondere auch das WebInterface mit allen Datenbankanbindungen fertiggestellt. Wir entwickeln nativ und inzwischen läuft die Anwendung in einer Private Beta iOS. Im August 2012 haben wir dann die Anwendung auf der TALENTS in der StartupZone präsentiert. Primäres Ziel war, das Feedback der teilnehmenden Kandidatinnen und Kandidaten zu erhalten. Wir konnten inzwischen bereits ca. 1.000 Kandidaten für die Betatest-Phase gewinnen. Entwicklungsseitig ist die Anwendung auf dem Stand einer Perpetual Beta Version. Aktuell angestrebter Milestone ist nun ein Prerelease und dann ein Release zur TALENTS im August 2013.

Anfang 2012 war aber insbesondere noch nicht der richtige Markteintrittszeitpunkt. Es war der richtige Zeitpunkt, um in einer frühen Phase der Entwicklung die entscheidenden Weichen zu stellen. Unsere Entwicklungen und Abläufe bei TI sind seitdem nochmals deutlich verändert und wie so oft gibt es mit der Idee den Ausgangspunkt und später wird das Ganze mit den Markterfordernissen und der eigenen Lernkurve weiter geschliffen und geschärft. Auch die technischen Rahmenbedingungen haben sich nochmals deutlich weiterentwickelt und wir steuern auf mehr Bandbreite, schnellere Datenübertragungen, überall verfügbares WLAN und einige andere technische Veränderungen und Entwicklungen zu, die für talentsinsight optimale Bedingungen bieten. Das Ergebnis können wir dann dem Markt übergeben, wenn dieser soweit ist, tradierte Lösungen kaum noch Ergebnisse liefern und der Umgang mit den neuen Möglichkeiten versierter wird.

Wie ist der aktuelle Stand?
Wir sind mit ti im Grunde bereit für einen Golive. Allerdings ist dafür ja nicht nur die Entwicklung maßgeblich, sondern eine ganze Reihe von weiteren Faktoren, die für den Markteintritt berücksichtigt sein müssen. Derzeit führen wir fortgeschrittene Gespräche mit Kooperationspartnern, rekrutierenden Unternehmen und Investoren. Wie ich dir ja schrieb: Life of a startupper…


Wann denkt ihr, geht der Service an den Start?
Wunschtermin ist der Golive zur TALENTS 2013 im August in der Verlagszentrale der Süddeutschen Zeitung, möglicherweise werden wir aber auch vorher bereits in einem definierten Rahmen starten. Dies hängt aber sicher zum Teil auch davon ab, wie dynamisch wir die laufenden Gespräche mit unseren Wunschpartnern vorantreiben können.


Was fehlt evtl. noch? Wo drückt der Schuh noch?
Eine Reihe von Features, die wir entwickelt haben, müssen noch implementiert werden, ein Teil davon sicherlich erst mit Folgeversionen. Die Entwicklung der Android Version hat aktuell eine hohe Priorität und bei UI/UX haben wir auch noch eine Menge Potential. Und dann natürlich das Go unserer Wunschpartner. Der Markteintritt selber wird sicherlich auch eine grosse Herausforderung, denn wir bewegen uns ja mit unserem Angebot in der Schnittmenge zwischen zwei Anspruchsgruppen.

Welche Features sind neu dazu gekommen?
Wir arbeiten daran J. Ich will es einmal so formulieren: TI ist keineswegs ein geschlossenes System. Wir verknüpfen TI sehr stark mit den relevanten „Lebens- und Arbeitsbereichen“ und deren Abbildungen im Internet. All das ist natürlich vollständig steuer- und anpassbar für den Nutzer.

Der Olli hat in seinem Blogeintrag das Thema Mobile Recruiting beleuchtet.
Wie siehst du Mobile Recruiting derzeit und in Zukunft?
Das Thema Mobile Recruiting ist ein logischer Schritt, der zur richtigen Zeit kommen muss und wird. Und dann natürlich erfordert, dass mündige Anwender damit umgehen können. Seit Anfang 2012 (und auch schon davor) haben die Herausforderungen für Recruiting und Sourcing deutlich zugenommen. Die bekannten Themen rund um Demografie und Fachkräftemangel bescherten dem Wettbewerb um die Talente eine neue, hochanspruchsvolle Qualität. Rekrutierende Unternehmen sind heute mehr und mehr gefordert, einen Personalmarketing-Mix zu entwickeln und zu steuern, der dem klassischen Marketing längst in keiner Weise mehr nachsteht. Und auch nicht nachstehen sollte, denn die Bedeutung liegt auf der Hand und nicht umsonst beziehen beispielsweise Ratingagenturen die Sourcingkanäle von Unternehmen inzwischen sogar in ihre Bewertungen ein. Sourcing und Recruiting sind unbestritten erfolgskritische Faktoren, wenn die Wettbewerbsfähigkeit erhalten und ausgebaut werden soll. Der Kommunikationsmix hat sich dabei deutlich verändert und die Zahl der Kommunikationskanäle, welche ich nutzen kann, hat, begleitet von einer zunehmenden Fragmentierung des Marktes, massiv zugenommen. Und dann auch noch die vielen neuen Generationen Y und xyz, deren Vorstellungen überhaupt ersteinmal verstanden werden müssen, bevor sie sinnvoll angesprochen werden können.

Die bisherige Nutzung mobiler Endgeräte im Recruiting bewegt sich oft noch im Bereich SMS, QR Code oder Push Nachrichten zu neuen Stellenanzeigen. Es gibt allerdings auch schon andere, kreativere und interessante Ansätze. Oftmals sind es aber nur kreative Ausflüge und diese sind dann auch mal eben nicht in ein systematisches Modell zur Nutzung des mobilen Kanals mit allen Schnittstellen eingebettet. Eine App zu entwickeln ist ja nicht einfach eine Programmierherausforderung, sondern eine komplexe Systematik, die dann entsprechend abgebildet wird. Eigene Apps sind bei einigen Unternehmen entwickelt, aber wieviele Apps von wievielen Unternehmen wird ein Kandidat auf seinem mobilen Endgerät installieren? Der Nutzen von Push Nachrichten zu aktuellen Stellenanzeigen aus Jobbörsen trägt bei mir ein grosses Fragezeichen, lasse ich mir aber gern erklären.

Bei den QR Codes finde ich inzwischen einige Entwicklungen ganz smart. Das könnte einhergehen mit mehr Bewegtbild und der Ansatz ist auf jeden Fall eine neue Erfahrung, wenngleich ich nach wie vor Hürden in der Useability sehe. Die neueren Anwendungen heben sich auf jeden Fall deutlich nutzbringender vom Verweis eines QR Codes auf eine statische (wohlmöglich nicht mobil optimierte) Internetseite ab. Und da setzt dann auch meine erste Empfehlung für Unternehmen an: die eigene Internetseite/Stellenbörse für die mobile Darstellung optimieren. Da wäre dann schon ein grosser Schritt getan, um sich den Kandidaten dort professionell zu präsentieren, wo sie suchen: mobil.

Und die Betonung liegt dabei sicherlich auch sehr auf dem Begriff „professionell“. Sich mehr oder weniger undercover in Communities zu platzieren, Kommunikationskanäle mit Werbebotschaften zu fluten oder Plattformen zu instrumentalisieren ist weder professionell noch zielführend, kein bisschen innovativ und am Ende einfach plump…und überlesen. Und vor allem in der Regel ab Nervlevel 2 dann schlicht keine gute Sache für die allseits angestrebte, positiv und sympathisch besetzte Employer Brand.

Wie positioniert sich talentsinsight im „Mobile Recruiting Markt“?
TI ist in dieser Form die erste Lösung für Mobile Recruiting/Sourcing, bei welcher der tatsächliche Nutzen der Kommunikation über ein mobiles Endgerät voll ausgeschöpft wird und die Anbindung über ein Highend Web Framework für Backends erfolgt. Der besondere Wert unserer Lösung ist die Verbindung zum real Life. Wir schaffen kein mediales Abbild, sondern verbinden die technischen Möglichkeiten mit den persönlichen Faktoren, die nach wie vor – und in der Bedeutung sogar zunehmend – zwischen Unternehmen und zukünftigen Kollegen die entscheidenden Faktoren sind. TI ist mehr als eine App, es ist eine umfassende Sourcing- und Employer Branding Lösung. Kandidatinnen und Kandidaten erfahren mit TI, „wie es in den Unternehmen wirklich ist“. Sie können sich ein autenthisches Bild von den Aufgaben und den Menschen im Unternehmen machen, denn diese bestimmen die Unternehmenskultur und nicht das größte Werbebudget für die teuerste Agentur.

Und wer sich aktuell gar nicht bewerben will, aber durchaus an neuen Herausforderungen interessiert ist, der findet mit talentsinsight seinen fachlichen Gesprächspartner. Das dabei die Conversion vom latent interessierten Kandidaten zum Kollegen das Ziel ist, ist Teil unseres talentsinsight Systems und die beste Basis für den Start in eine Zusammenarbeit.

Wird es Aktionen zum Launch der App geben? Partner?
Wie wird die App den Nutzern nahegebracht?
Ja, klar. Early Adoptern – auf Unternehmens- und auf Kandidatenseite – werden wir in den ersten Monaten (und teilweise weit darüber hinaus) besondere Services und Einstiegspakete bieten. Das ist für uns völlig klar, denn zu Beginn wird es sicher noch den ein oder anderen Bug und einiges Optimierungspotential geben. Für frühe Nutzer auf Kandidatenseite werden wir zum Start Premium Accounts einrichten und diese werden kostenfrei sein und bleiben. Wer da dabei ist, zählt zu unseren wichtigsten Unterstützern und dafür wollen wir auch etwas zurückgeben, denn dieser tolle Support durch unsere Nutzer ist für uns keineswegs selbstverständlich. Außerdem werden wir bei unseren Aktionen zum Start auch immer den (Real-Life) Live Bezug im Fokus haben und auf die Parties freuen wir uns schon sehr.

Was ist anders an TI als bei anderen mobilen Apps/Diensten?
Mit TI stellen wir live die Verbindung zwischen virtueller und realer Welt her und betten das ganze in ein komplettes System ein. Im Grunde verbinden wir in TI das beste aus beiden Welten, wodurch wir einen sinnvollen Nutzen aus der Verwendung von mobilen Endgeräten für Sourcing und Recruiting ableiten können. Bei bisherigen Lösungen und Überlegungen in diesem Bereich geht es oft einfach nur darum, online basierte Abläufe und Prozesse oder die Abbildung von Inhalten auf mobile Plattformen auszuweiten. Das ist ja nur die Anpassung bestehender Inhalte oder Prozesse an verändertes Abrufverhalten der Nutzer – auf jeden Fall wichtig und aus meiner Sicht eine Pflichtaufgabe im Sinne des Customer (Interessent/Bewerber) Service. Aber mit TI gehen wir einige Schritte weiter und kümmern uns um die erwähnte Schnittstelle zwischen realer und virtueller Welt und beziehen alle relevanten aktiv Anspruchsgruppen ein.

Wie wird auf Unternehmen zugegangen?
Wir durften bereits in den vergangenen zehn Jahren knapp 300 Unternehmen mit der TALENTS im Recruiting unterstützen und pflegen intensive Kontakte und ständigen Austausch. Partnerschaften und Kooperationen haben eine ähnlich große Bedeutung.

Wie kommen die Jobs rein und wo kommen sie her?
Wir haben eine entsprechende Oberfläche und ein Highend Framework für HR entwickelt. Darüber können alle Features von talentsinsight gesteuert werden und natürlich kann dies an bestehende Systeme angebunden werden, sodass die Vakanzen leicht für talentsinsight aktiviert werden können. Individuelle Zuordnungen sind im Web Interface per Drag and Drop möglich und ein Feature zur Performancesteuerung haben wir zudem integriert. Dort, wo es erforderlich ist, übernehmen wir aber auch persönlich als Service bei unseren Kunden schlicht und einfach Aufgaben im laufenden Betrieb von talentsinsight.

Zum Schluss die Königsdisziplin, könnte es eine Vernetzung z.B. mit KUNUNU etc. geben?
Partnerschaften und Vernetzungen waren bereits maßgebliche Erfolgsfaktoren als wir 2003 mit der TALENTS angetreten sind und sind es uneingeschränkt heute wie damals. Was wir tun, macht uns viel Spaß und gemeinsam mit den richtigen Partnern dann noch mehr. Daher freuen wir uns auf kreative und lebendige Partnerschaften und wie haben wir es für unsere neuen Kollegen hier im Team formuliert: „Wenn´s passt, dann passt´s“

 

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